Han Sanda

Die Bezeichnungen Sanda oder Sanshou sind klassische Begriffe die den Vollkontakt oder Freikampf im chinesischen Kung Fu umschreiben. Wie in allen klassischen Kampfkünsten auf der Erde wie zum Beispiel Musado , Thaiboxen , Ninjutsu , Savate , Silat und Andere , ist dies der Bereich in dem das Erlernte unter realen Bedingungen angewendet wurde und wird .  Han Sanda ist also der Vollkontaktbereich des Kampfstils Han Fu. In diesem Fall steht Fu für Tiger. Der Grund dafür liegt einfach darin das der Tiger die erste Form ist die es in diesem Stil zu erlernen gilt. Han ist der Familienname (übrigens ein nicht seltener ) und Yuen der Name meines Lehrers. Neben Vollkontakt wird auch das Formentraining praktiziert und der Umgang mit Waffen , jedoch erst ab einem bestimmten Alter.  Da Sanda der Sammelbegriff für das Vollkontakt der chinesischen Kung Fu Kampfkünste darstellt sollte man Bedenken das es weit über 360 bekannte Stilarten in dieser Kunst gibt. Dies hat eine große Technikvielfalt zur Folge die kaum überschaubar ist. Angefangen von exotischen Stilen wie Pferdestil oder Drunken Boxing über harte Stile wie das Schaolin Kung Fu  oder modernen Stilen wie das Wing Chun geht ein mystischer Reiz aus , dem man sich kaum entziehen kann. In den 90-er Jahren begann man die von Ufc und Pride organisierten Turniere im Fernsehen zu übertragen. Das öffentliche Interesse an Gladiatorenkämpfe  war enorm. Durch die weltweite Vermarktung entstand in kurzer Zeit ein Hype auf Wettkämpfe in denen Fighter aus verschiedenen Stilen sich maßen und messen. Um die Kämpfe dramatischer zu machen wurden im Laufe der Jahre immer mehr Regeln aufgestellt und den Stilfightern ihre eigentlichen Waffen genommen. Die Profikämpfer begannen sich den Regeln anzupassen und schufen damit verschieden moderne Systeme wie das Mixed Martial Arts oder das Freefight. Immer auf der Suche nach Neuerungen oder technischen Raffinessen sind diese modernen Krieger unterwegs. Sanda ist mittlerweile auch aus diesem Grund eine Trendsportart die mit dem klassischen Stilen nur noch wenig gemein hat. In China wird Wu Shu als allgemeine Kampfsport und Fitnessbetätigung schon in der Schule gelehrt. Ähnlich dem europäischen Fußball. Das Sanda dieser Sportturniere ist auch durch seine sportlichen Regeln näher an andere Kampfsportarten wie zum Beispiel Kickboxen heran gerückt. Zwar werden noch viele Wurftechniken angewendet jedoch die Kämpfe danach meist unterbrochen und im Stand weitergeführt. Im traditionell geführten Sanda oder San Shou wird auch die Vielfalt der Hebel- , Würge- und Festlegetechniken praktiziert. Diese stehen der Effektivität von Schlägen oder Tritten in nichts nach. BJJ das brasilianische jiu jitsu zum Beispiel hat sein Hauptaugenmerk auf den Bodenkampf ohne jedoch Tritte und Schläge komplett zu ignorieren. Die Effektivität dieses Kampfstils steht außer Frage wie die Graciefamilie wohl eindrucksvoll beweißt. Da China sich im Zuge der allgemeinen Globalisierung öffnet wird der Austausch von Kampftechniken und das Wissen um Diese immer gefragter. Beim Han Sanda wird sich im Training weitgehend an die traditionellen Regeln Stand und Bodenkampf zu trainieren gehalten. Dies erlaubt jeden fortgeschrittenen Schüler sich in Turnieren zu messen obgleich die vom Veranstalter geforderten Wettkampfregeln ein Beschneiden seiner Mittel bedeutet. Einige weitere Unterschiede der heutigen Sanda Turniere gegenüber den traditionellen Turnieren sind Gewichtsklassen , Zeitvorgaben und Altersklassen. Diese Kriterien waren einst nur von nebensächlicher Bedeutung und traten nur in Ausnahmefällen zur Urteilsfindung in den Fokus. Nehmen Sie nur die mongolischen Ringer. Bei den Turnieren starten meist über 150 Kämpfer in der Arena. Man sucht sich einen der vielen Gegner ringt mit ihm und bringt ihn zu Fall und geht dann zum nächsten Gegner der noch  in der Arena steht. Der Begriff Arena ist natürlich nicht ganz passend da diese Events meist auf einen großen freien Platz ausgetragen werden .Irgend wann sind nur noch eine Handvoll Kämpfer übrig die dann am nächsten Tag nochmals in die Arena zurückkehren um ihren Champ zu finden. Die Vielfalt der Techniken im Sanda und ihrer Stile hat auch einen geographischen Hintergrund. Ein riesiges Land wie China berührt die verschiedensten Klimazonen und erstreckt sich über mehrere Breitengrade dies führt natürlich zu veränderten Lebensweisen in der Bevölkerung. Dem entsprechend gibt es harte Stile mit viel akrobatischer Technik harten Blöcken und Kraftbetonung. Ihr Ursprung liegt zumeist in den nördlichen Landesregionen wo raues Klima und harte Böden die Menschen und Landschaft prägen  . Auch ist es so das die dort lebenden Chinesen keinesfalls alle klein von Wuchs  sind. Das liegt schon allein an den angrenzenden Ländern wie die Mongolei oder Russland durch die ein gesellschaftlicher und multikultureller Austausch schon seit tausenden von Jahren stattfindet.  Das subtropische Klima im Süden des Landes lies kaum dramatische Sprünge oder Akrobatik auf den zumeist weichen Böden zu was im Kampf nur Risiko bedeutet hätte. Diese Stile legen Hauptaugenmerk auf Meidbewegungen , festen Stand und den giftigen Händen ohne jedoch andere Techniken wie Kicks und Schläge zu ignorieren. Zur Erklärung der giftigen Hände sei zu sagen das dies einen bevorzugten Angriff auf Nervenpunkte und Vitalpunkte bedeutet. Diese führen in der Regel zu Lähmungserscheinungen oder im geringsten Fall zu Schmerzen. Die Frage nach der Effektivität von Han Sanda stellt sich eigentlich nicht mehr. Wie alle klassischen Stile begründet sich Han Sanda aus der Not zum Selbstschutz heraus als erprobte und angewendete Kriegstechnik die nicht umsonst tausend Jahre überlebt hat. Meiner Meinung nach sollte man aber in einem Kampf um Leben und Tod eher den traditionellen Stilen vertrauen. Warum? Der erste Punkt ist in einem Ernstfall gibt es keine Regeln. Selbst ein Siebenjähriger könnte mit zwei gestreckten Fingern in die Augen einen ausgewachsenen Mann kampfunfähig machen. Als zweites Beispiel sollten die französischen Legionäre dienen die sich im Umgang mit dem Gewissen klar sind das es keine zweite „Runde“ gibt und daher eher Emotionslos handeln. Als dritten Fakt sehe ich den Umstand von Ort , Zeit und Situation. Diese Faktoren können für oder gegen einen selbst gerichtet sein. Aber wie heißt es doch so schön? Über Sieg oder Niederlage entscheiden Menschen über Leben und Tod die Götter. Die Frage ob Han Sanda als Kampfkunst die richtige für mich ist kann man nur durch probieren oder den Hang zu chinesischer Kampfkunst herausfinden. Ob MMA , BJJ , Ringen, Kempo oder eben Sanda im Kampf entscheidet nicht der Stil sondern der Kämpfer durch sein können über Sieg oder Niederlage.